Verfasst von: Jan | 17. Februar 2014

Starke Bilder – Inspiration aus renommierten Fotowettbewerben (und die Diskussion über nachträgliche Manipulation)

Ich möchte die Wahl zum Pressefoto des Jahres 2014 zum Anlass nehmen, Sie auf folgende inspirierende Fotostrecken bei Spiegel Online hinzuweisen:

Allerdings ist besonders bei den Pressefotos zu beachten, dass diese Ihre erhöhte Dramatik manchmal auch aus nachträglichen Bearbeitungen beziehen. Einigermaßen kontrovers wird daher seit einiger Zeit auch das Thema der Nachbearbeitung von Pressefotos diskutiert. Einerseits untersagen die Veranstalter nachträgliche Veränderungen an den eingereichten Beiträgen („der Inhalt der Bilder darf nicht geändert werden“), andererseits wird mit einiger Hilfloisgkeit nicht genau detailliert, was konkret darunter zu verstehen ist, also wo nachträgliche Bearbeitung anfängt und wo sie aufhört – so wurde das Aufhellen und Abdunkeln einiger Bildbereiche in Paul Hansens Fall bereits als zulässig akzeptiert.

Ich selbst bin da zwiegespalten. Zunächst ist hier jeder Fall anders gelagert und ich möchte mich mit pauschalen Aussagen zurückhalten. Lassen Sie mich salomonisch so formulieren: Ohne Frage gibt es hier starke Fotos, die bereits für sich sprechen und einer Bearbeitung nicht notwendigerweise bedürften. Aber: Viele dieser Fotos wirken noch stärker, wenn – vor allem an den Farben – nachgeholfen wird, sofern dies die Bildaussage stützt. Und genau hier erkenne ich das Dilemma der Veranstalter wieder: letztlich ist es Geschmakssache, und auch ich könnte ad hoc keine belastbaren Kriterien aufstellen, wo Bearbeitung zulässig ist und wo nicht (Beschneiden? Umwandeln in Schwarz-Weiß? Rote Augen korrigieren? Gesichter retuschieren? Autokennzeichen anonymisieren? Für jede dieser Fragen könnte man eine eigene Diskussion mit viel Pro und viel Contra vom Zaun brechen…)

Vielleicht trifft es eine Kommentatorin aus oben verlinktem Artikel am besten mit dem schlichten Fazit:

„Es kommt im Grunde darauf an, in wie weit der Betrachter Purist ist.“

Könnte hinhauen. Zum Glück ist in der privaten Reisefotografie ja erlaubt, was gefällt, niemand kann sie zwingen, Ihre Bilder zu bearbeiten oder dies zu unterlassen.

Und damit möchte ich nochmals auf die Bildaussage zurückkommen, hier ist mein Standpunkt: Wenn ein Bild durch Bearbeitung seine Aussage erheblich ändert oder überhaupt erst eine solche bekommt, dann scheint es schon konzeptionell beim Fotografieren nicht gestimmt zu haben. Für solche Fälle lehne ich Bildbearbeitung daher ab. Im Gegenzug sind für mich Bildbearbeitungen in Ordnung, die die Bildaussage eben nicht wesentlich verändern. Und was das bedeutet, entscheide ich von Fall zu Fall…

Und wenn Sie auch die Pressefotos aus der Zeit vor der digitalen Bildbearbeitung sehen möchten, empfehle ich diese Aufstellung in der Wikipedia, in der diese verlinkt sind.

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Responses

  1. Fand den Artikel ganz große Klasse. Ja, mit der Bearbeitung ist das so eine sache. Ich gebe zu dass 99prozent meiner Bilder bearbeitet sind. Manche recht viel manche weniger.

    • Hallo Suze, vielen Dank für Deinen Kommentar! Wenn ich mir Deine Bilder so anschaue, finde ich, dass es sehr schön und „dezent“ gemacht ist – als Betrachter würde ich da nirgends sagen, dass es übertrieben wirkt. Mir gefallen besonders Deine Bilder aus Südafrika und Namibia – vielleicht, weil ich selbst noch nie dort war…


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