Verfasst von: Jan | 1. August 2013

Smartphones in der Reisefotografie – Pro und Contra und die aktuellen Fakten

Image courtesy of adamr / FreeDigitalPhotos.net

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Vor kurzem habe ich Sie auf die Urlaubsfotografie-Studie von CEWE Color hingewiesen. Ein Ergebnis der Studie war – wenig überraschend – der zunehmende Trend zu mobilen Endgeräten. 45 Prozent aller Deutschen besitzen mittlerweile ein Smartphone mit Internetzugang, besonders stark vertreten ist dabei die Gruppe der 18- bis 29-Jährigen (77 Prozent). Interessanterweise wird das Mobiltelefon offenbar auch verstärkt fürs Aufnehmen der Urlaubsfotos verwendet (25 Prozent über alle Altersgruppen im Vergleich zu nur 20 Prozent im Vorjahr 2012). Auch hier liegt die junge Altersgruppe mit 56 Prozent sogar noch weiter vorn.

In einer repräsentativen Studie des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (BITKOM) wird ausgeführt, dass 39 Prozent der Urlaubsfotografen sogar überhaupt keine weitere Kamera mehr dabeihaben, das scheint aber hauptsächlich die Nutzer von Kompaktkameras zu betreffen – Zitat aus der BITKOM-Studie:

„Ambitionierte Hobby-Fotografen setzen im Urlaub auf leistungsfähige System- und Spiegelreflexkameras, die eine besonders hohe Bildqualität bieten. Auch die klassische digitale Kompaktkamera wird noch von vielen im Urlaub benutzt, bekommt aber zunehmend Konkurrenz durch Smartphones.“

Ganz ähnliche Ergebnisse schildert heise.de im Artikel Studie: Smartphone als Kamera-Ersatz. Geräte mit Kamerafunktionen, so der Artikel, führten immer mehr Menschen an die Fotografie heran, wenngleich Digitalkamera und Smartphone – anders als etwa in China – hierzulande noch nicht in direkter Konkurrenz stehen, insbesondere bei Abzügen: Der Photoindustireverband e. V. schätzt, dass nur 1,5 Prozent der 4 Milliarden Fotos, die im Jahr 2011 ausgedruckt wurden, mit dem Mobiltelefon aufgenommen wurden.

Wenn wir uns die Vorteile des Smartphones in der Reisefotografie anschauen, so können wir festhalten:

  • Smartphones sind verleichsweise klein und leicht – ideal als Reisebegleiter, den Sie immer dabeihaben können.
  • Smartphones eigenen sich durch ihren Online-Zugriff für schnelles Posten der Fotos in sozialen Netzwerken – inklusive Geotagging!
  • Mittlerweile ist sogar umfangreiches Fotozubehör (z. B. Stative und Objektive) für Smartphones erhältlich, auch eigene Bücher befassen sich mit der Smartphone-Photografie.
  • Noch immer gilt: der Betrachter sieht nur das Bild – für ein gutes Foto ist es zunächst unerheblich, mit welcher Kamera es aufgenommen wurde. So wie man mit einer 4.000-EUR-Kamera „Knipsbilder“ machen kann, können auch gelungene Fotos mit einem Smartphone aufgenommen werden.
  • Foto-Apps sorgen für kreative Möglichkeiten der Nachbearbeitung.
  • Mit den mittlerweile verwendeten Auflösungen (Megapixel) der Smartphone-Kameras sind auch Abzüge in gängigen Formaten wie 9×13 oder 10×15 gut machbar.

Dem stehen natürlich auch gewisse Nachteile gegenüber:

  • Die kleinen Bildsensoren sorgen – insbesondere bei wenig Licht – für hohes Bildrauschen.
  • Ein weiterer Nachteil der kleinen Smartphone-Bildsensoren besteht in einer erheblichen Einschränkung Ihrer kreativen Möglichkeiten. Insbesondere neigen kleine Sensoren dazu von vorn bis hinten alles scharf abzubilden – die gezielte Gestaltung Ihres Fotos mit der Schärfentiefe ist somit kaum möglich.
  • Natürlich haben Sie bei Smartphones in der Regel auch keinen optischen Zoom.
  • Bei grellem Tageslicht kann das Smartphone-Display schlecht ablesbar sein – hier sind Kameras mit optischem Sucher klar im Vorteil.
  • Sofern überhaupt ein Blitz vorhanden ist, ist dieser bei Smatphones normalerweise deutlich schwächer.
  • Begrenzter oder nicht erweiterbarer Speicherplatz auf Ihrem Smartphone kann sich zum Problem entwickeln.
  • Oft sind keine Aufnahmen im RAW-Format möglich, was Ihre Möglichkeiten in der digitalen RAW-Nachbearbeitung erheblich einschränken kann.

Mittlerweile gibt es auch sog. „Online-Fotoapparate“, die mit Android-Betriebssystem, Touchscreen und Onlinezugriff die Grenzen zwischen Smartphone und Kamera zunehmend verwischen. Aber auch das scheint noch nicht der Weisheit letzter Schluss zu sein, wie SPIEGEL Online im Test der Samsung Galaxy Camera ausführt:

„Die Bildqualität ist den meisten Smartphones weit überlegen, aber nicht viel höher als bei Kompaktkameras, die im Handel weniger als 200 Euro kosten. Schon bei einer niedrigen ISO-Empfindlichkeit von 100 sind Details verschmiert und Störungen zu sehen, das Objektiv ist mit der größtmöglichen Blendenöffnung von f/2,8 nicht besonders hell, im Zoom-Bereich wird es noch dunkler.“

Mein persönliches Fazit: Noch sind Smartphones in der Reisefotografie kein ernstzunehmender Ersatz für „richtige“ Kameras, am ehesten noch für Kompaktkameras, die mit ihren kleinen Sensoren in etwa dieselben Nachteile wie Smartphones haben. Bestenfalls würde ich das Smartphone für Schnappschüsse bei guten Lichtverhältnissen zur Hand nehmen. Vielleicht versuche ich mich im nächsten Urlaub mit meinem Samsung Galaxy III einmal daran – da ich mit der Pentax Optio H90 auch keine besonders tolle Kompaktkamera in der Ausrüstung habe, könnte das vielleicht eine Alternative sein. Risefotografen, die eine ordentliche Kompaktkamera (oder etwas bessseres) haben, sollten vorerst dieser den Vorzug geben.

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