Verfasst von: Jan | 24. Juni 2013

Schärfentiefe – Ein wichtiges Gestaltungsmittel für spannende Reisefotos

Die sogenannte Schärfentiefe bietet sich auch und gerade für Reisefotos als kreative Technik an. Die Schärfentiefe ist der Bereich im Bild, der scharf abgebildet wird – bei einer hohen Schärfentiefe ist alles im Bild vom Vorder- bis zum Hintergrund scharf (dies bietet sich beispielsweise bei Landschaftsaufnahmen an).

Interessanter kann es oft sein, mit einer geringen Schärfentiefe zu arbeiten, also zum Beispiel ein Objekt im Vordergrund scharf abzubilden, und den Hintergrund unscharf abzubilden. Dadurch fokussiert sich der Blick des Betrachters stärker auf das Hauptmotiv, dieses wird sozusagen „freigestellt“. Auch einen eher unruhigen oder unwichtigen Hintergrund können Sie so in den Griff bekommen.

Übrigens werden Sie es früher oder später bestimmt mit der Diskussion zu tun bekommen, ob es nun korrekt „Schärfentiefe“ oder „Tiefenschärfe“ heißen muss. Ich erspare Ihnen an dieser Stelle gerne die physikalischen Details zu dieser Debatte und die sprachwissenschaftlichen Feinheiten der inneren Semantik von Koordinativkomposita. Ich teile jedoch die Ansicht, dass man – zumindest im Hinblick auf den hier behandelten kreativen Effekt – sowohl in sprachlicher als auch in fotografischer Hinsicht sehr wohl auch von „Tiefenschärfe“ sprechen kann. Warum das so ist, hat der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch sehr überzeugend dargestellt.

Aber grau ist alle Theorie, hier habe ich ein Beispiel aus China (Aufnahmedaten: Nikon D40 | f/4,5 | 45mm | 1/80s | ISO 200):

Straßenszene (Shanghai)

Straßenszene (Shanghai)

Hier habe ich den Steinlöwen im Vordergrund scharf abgebildet und den Verkäufer mit seinem Kunden im Hintergrund leicht unscharf. Um diesen Effekt zu erzielen, müssen wir die Faktoren beachten, die in Kombination die Schärfentiefe beeinflussen:

  • Blende: Je kleiner die Blendenzahl, um so geringer die Schärfentiefe (hier z. B. f/4,5).
  • Abstand zum Motiv: Je näher Sie mit der Kamera an Ihr Vordergrundmotiv herangehen, um so geringer wird die Schärfentiefe (bei gleicher Blende).
  • Abstand des Hintergrunds: je weiter ein Objekt von Ihrem Vordergrundobjekt im Hintergrund entfernt liegt, um so unschärfer wird es abgebildet.
  • Brennweite: Tele-Brennweiten (ab ca. 50mm) können Sie zur Nutzung einer geringen Schärfentiefe besser verwenden als Weitwinkelbrennweiten.

Tipp: Wenn Ihre Kamera ein Zeitautomatik-Programm hat – Nikon: A (Aperture Priority), Canon AV (Aperture Value) – nutzen Sie dieses Programm. Es ist auch als „Blendenvorwahl“ bekannt, weil Sie hier die gewünschte Blende festlegen können und das Programm eine dazu passende Verschlusszeit auswählt. Sehr schön zusammengefasst im Ares Fotoblog, wo Sie noch mehr über die Zeitautomatik erfahren:

„Der AV-Modus bietet eine ganz hervorragende Kontrolle über die Bildergebnisse, weil durch das Hauptwahlrad die Schärfentiefe direkt beeinflußt werden kann. Wählt man etwa einen kleinen Blendenwert, läßt sich das Motiv freistellen, was bei Porträtaufnahmen sinnvoll seien [sic!] kann.“

Image courtesy of bplanet / FreeDigitalPhotos.net

Image courtesy of bplanet / FreeDigitalPhotos.net

Wenn Sie noch mehr über die Funktionsweise der Blende erfahren wollen, empfehle ich Ihnen diesen Artikel bei Colorfoto.de.

Mehr zur gezielten Unschärfe als Gestaltungsmittel finden Sie in diesem Artikel bei besserfotografieren.com.

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Responses

  1. […] Insbesondere neigen kleine Sensoren dazu von vorn bis hinten alles scharf abzubilden – die gezielte Gestaltung Ihres Fotos mit der Schärfentiefe ist somit kaum […]

  2. […] offenen Blenden (also kleinen Blendenzahlen) gelingt es Ihnen besser, kreativ mit der Schärfentiefe zu arbeiten. So können sie besonders bei Porträts Ihr Motiv schön freistellen, indem Sie die Person […]

  3. […] Sie Unschärfe auch als kreatives Gestaltungsmittel einsetzen können. Da gibt es zum einen die kreative Steuerung der Schärfentiefe, mit der Sie beispielsweise Ihr Hauptmotiv im Vordergrund scharf abbilden können und den […]

  4. […] Schärfentiefe – Ein wichtiges Gestaltungsmittel für spannende Reisefotos […]

  5. […] einem anderen Beitrag habe ich Ihnen bereits gezeigt, wie Sie die Schärfentiefe effektvoll für Ihre Fotos nutzen können. Allerdings müssen Sie auch den Zusammenhang anderer Einstellungen kennen, ganz besonders […]


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