Verfasst von: Jan | 3. April 2013

Kult-Foto aus Krakau (und was Reisefotografen aus dessen Entstehungsgeschichte lernen können)

Der heutige Eintrag hat zwar nur bedingt etwas mit Reisefotografie zu tun, ich bin aber der Ansicht, dass Sie hier wieder Einiges über tolle Fotos und deren Entstehung erfahren können.

Bei SPIEGEL ONLINE erschien unlängst der Artikel Kult-Foto aus Krakau: Mann füttert Schwäne im Schnee. Der studierte Fotograf und Grafikdesigner Marcin Ryczek wohnt in Krakau und hat eher zufällig ein Bild geschossen, das seiner Facebook-Seite innerhalb kurzer Zeit 10.000 Fans beschert hat und auf internationalen sozialen Netzwerken von den USA bis nach China geteilt wurde.

Es ist wirklich ein unwahrscheinlich gutes und wirkungsstarkes Bild: Aus der Vogelperspektive sehen wir in der linken Bildhälfte eine weiße Schneefläche, auf der rechten einen dunklen See, im Schnittpunkt füttert ein dunkel gekleideter Mann (im Schnee) die weißen Schwäne (auf dem dunklen See). Durch die Geometrie und den ineinanderfließenden Schwarz-Weiß-Kontrast zusammen mit der ungewöhnlichen Perspektive ist hier ein großartiges Bild entstanden.

Ryczek schildert im Artikel die Entstehungsgeschichte des Bildes wie folgt:

[I]ch komme häufiger an diesem Ort vorbei. An dem Tag, als ich das Foto schoss, ist mir zunächst dieser von der Natur gezeichnete, ungewöhnliche Kontrast aufgefallen. Geradlinig voneinander getrennt durch das Ufer. Das Motiv erinnerte mich an das Yin-Yang-Symbol – und ich habe begonnen, in Gedanken ein Konzept für das Bild zu entwerfen. Dann tauchten plötzlich weiße Schwäne auf dem schwarzen Hintergrund auf. Und zugleich die schwarze Gestalt auf der weißen Fläche.

Hier werden gleich mehrere Punkte angesprochen, die mir für die Reisefotografie interessant scheinen:

  1. Der Fotograf kommt häufiger am Ort seines Fotos vorbei. Und – das Entscheidende – er bewahrt sich die Fähigkeit, diesen bekannten Ort dennoch auf ungewöhnliche Konstellationen und Bildideen zu untersuchen.
  2. Ein Schlüsselsatz: Der Fotograf hat “begonnen, in Gedanken ein Konzept für das Bild zu entwerfen”. Besser kann man kaum die vielleicht wichtigste Voraussetzung für ein gelungenes Bild beschreiben.
  3. Ein weiterer wichtiger Punkt, und nur scheinbar ein Widerspruch zu Nummer 2: Manchmal hilft auch das entscheidende Quäntchen Glück. Der Fotograf war zur richtigen Zeit am richtigen Ort und hat im richtigen Moment ausgelöst – es hat einfach “gepasst”

Vielleicht hilf Ihnen das bei Ihren nächsten Reisefotos? Interessante Orte häufiger aufzusuchen, Gedanklich ein Bildkonzept zu entwerfen und im richtigen Moment die Kamera dabeihaben und auslösen – so können tolle Reisefotos entstehen.

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